7.5.26: Wenn die Kinderzeichnung erwachsen wird …

 N.s (12 Jahre) Zeichnung eines Krans zeigt eher Merkmale der Schemaphase II mit formal-technischer Spezialisierung als eine frühe naturalistische Phase. Der Fokus der Abbildung liegt weniger auf freiem expressivem Gestalten und stärker auf kognitiv-konstruktiver Darstellung eines verstandenen Systems. 

Obwohl perspektivische Darstellung, plastischere Elemente mit Tiefenraum, eine realistische Schattierung oder atmosphärische Gestaltung nicht im Vordergrund stehen, ist diese Vereinfachung Ausdruck funktionalen Abstrahierens, wie es für die Schemaphase II typisch ist. Das Technische, Planhafte ist hier kein Rückstand gegenüber realitätsnaher Darstellung, sondern eine alternative, kognitiv anspruchsvolle Organisationsform. Die Zeichnung zeigt nicht nur „einen Kran“, sondern ein konzeptionelles Verständnis seines Aufbaus. N. zerlegt ein komplexes Objekt zeichnerisch in funktionale Einzelteile und erkennt Zusammenhänge von Statik, Gegengewicht, Tragstruktur und Funktion einzelner Komponenten. Bild und Sprache werden kombiniert zu einem geordneten Wissenssystem.
Die diagonalen Verstrebungen zeigen Musterverständnis und rhythmische Struktur. Ihre Zeichnung verlangt hohe visuell-motorische Planung, Ausdauer und längere Konzentration.  

Insgesamt ist dies ein spezialisiertes technisches Interessensbild, das als Informations- und Funktionsdarstellung dient, nicht als künstlerische Raumillusion. Es ist eine Mischung aus Skizze, Dokumentation und technischem Plan, keine klassische expressive Kinderzeichnung mehr.

N. zeigt hier mechanisches Verständnis, strukturierendes Denken, Detailaufmerksamkeit und regelorientiertes Erfassen komplexer Systeme, typisch für Kinder mit technisch-konstruktiven Spezialinteressen.

#kinderzeichnung#malentwicklung#schemaphase

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